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Postanschrift:
Laborbeaglehilfe e.V.
z. Hd. Gisela Wertich
Keilerweg 1
D - 35428 Langgöns |
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Mantrailing und Teambindung
Der Anlass:
Um unseren Laborbeagle –
Haltern eine Möglichkeit nahe zu bringen, ihren
Beagle sinnvoll zu beschäftigen und auszulasten,
haben wir uns Anfang 2008 entschieden, eine Mantrailing
– Grundausbildung für Halter und Hund anzubieten.
Mantrailing bedeutet, der Hund lernt, der Fährte
einer (vermissten) Person zu folgen und die Person
zu finden. Je erfahrener der Hund, desto schwieriger
kann die verfolgte Fährte sein. Intensiv ausgebildete
und erfahrene Hunde folgen erfolgreich auch alten
Spuren in schwierigem Gelände, z.B. Fußgängerzonen.
Das Training besteht aus 10 Lehreinheiten a 1 ½
- 2 Stunden mit sehr hohem Praxisanteil und wurde
von Florence Tribon von der Canis – Hundetrainer
– Schule bei Michael Grewe in Bad Bramstedt
durchgeführt.
Meine
Motivation:
Sofort, nachdem ich mich für
die Teilnahme am Mantrailing - Workshop entschieden
hatte, war mir klar, dass ich das Training am liebsten
mit unserem Pommes (9 Jahre alt, davon 8 Jahre im
Labor) machen wollte. Ob er wirklich erfolgreich mitarbeiten
würde, war für mich zunächst zweitrangig.
Natürlich würden wir beide unser Bestes
geben, aber meine wichtigste Motivation war eine andere:
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Wir haben
öfter Interessenten für Laborbeagle, die
meinen, ein älterer Beagle ist nicht mehr so
lernfähig und nicht mehr „formbar“.
Frei nach dem Motto: Was Hänschen nicht lernt,
Hans nimmermehr ! Meine Erfahrungen mit Laborbeaglen
sind ganz andere: Unser erster Laborbeagle Muffin
war 9 Jahre im Labor und hat in seinen verbleibenden
3 ½ Jahren alles gelernt, was ein normaler
Hund für das Leben in Freiheit können
muss. Von daher halte ich diese „Weisheit“
für eine Legende. Dies wollte ich beweisen.
-
Über
Pommes Vergangenheit wissen wir recht wenig. Eigentlich
nur, woher er kommt (vergleiche „Der Killer
– Beagle“ unter der Rubrik Geschichten).
Pommes hatte von Beginn an Angst vor Männern.
Dieser Zustand hat sich sehr gebessert, aber er
reagiert immer noch tendenziell leicht submissiv
oder sogar ängstlich, wenn Männer auf
in zugehen oder ihn mit dunkler Stimme ansprechen.
Und er nähert sich Männern sehr viel zögerlicher
als Frauen. Man – Trailing erschien mir als
eine gute Methode, um unser beider Beziehung und
die Beziehung zu Männern insgesamt durch gemeinsame
Teamarbeit zu vertiefen und zu verbessern. Aufgrund
der rassespezifischen Merkmale des Beagle als Meutehund
und Spürhund war ich sehr zuversichtlich, dass
Pommes und ich erfolgreich zusammen arbeiten werden,
und ich hatte Vertrauen in seine (noch verborgenen,
weil nicht geförderten) Fähigkeiten.
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Außerdem
erhoffte ich mir, dass Pommes durch die Erfolgserlebnisse
beim Suchen und Finden selbstbewusster wird und
mehr Vertrauen in seine Fähigkeiten entwickelt.
Das Training:
Ich will an dieser Stelle nicht
auf alle Einzelheiten des Trainings eingehen, sondern
nur einen kurzen Einblick ins Mantrailing vermitteln.
Das prinzipielle Vorgehen wurde bereits in der ersten
Lehreinheit vermittelt und praktisch erprobt:
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Dem Hund
wird zusätzlich zum Halsband sein Suchgeschirr
angelegt.
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Ein Mensch
– Hund – Team (Suchteam) und ein „Opfer“
(der Gesuchte) werden festgelegt.
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Das „Opfer“
legt eine vorbereitete Tüte mit seinem Geruch
(z.B. eine getragene Socke) zwischen Hund und „Opfer“
auf den Boden.
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Eine kleine
Tupperdose mit Leckerchen (Fleischwurst, Käse)
wird deutlich sichtbar vom Hundeführer an das
„Opfer“ übergeben.
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Das „Opfer“
nimmt kurz Kontakt mit dem Hund auf und macht deutlich,
wo die Leckerchen jetzt sind.
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Das „Opfer“
geht langsam voraus und hockt sich in geringer Entfernung
hinter einen Baum (die Entfernung variiert nach
Eingangs – und Leistungsvoraussetzungen und
mit zunehmender Trainingserfahrung des Hundes)
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Der Hund
wird von Halsband auf Geschirr umgeleint.
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Der Hund
wird an die Tüte mit dem Geruch herangeführt
und hört sein spezielles Suchkommando, in unserem
Fall „Trail !“
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Der Hund
nimmt Witterung auf; der Hundeführer unterlässt
jede Form der verbalen oder körpersprachlichen
Unterstützung, denn der Hund soll lernen, selbständig
die Suche zu beginnen und sich dabei auf seine Fähigkeiten
zu verlassen und eigene Entscheidungen zu treffen.
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Der Hund
bestimmt das Tempo und den Weg der Suche; Ziehen
im Geschirr ist erlaubt und hebt sogar die Motivation
(im weiteren Verlauf des Trainings wird das Tempo
dann reduziert, um die Kondition des Hundeführers
zu schonen).
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Sobald
der Hund das „Opfer“ gefunden hat, bekommt
er die Leckerchen und wird riesig mit Worten und
Streicheleinheiten gelobt. Der Erfolg wird gekoppelt
und verstärkt mit dem Lob „Fine trail
!“
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Der Hund
wird von Suchgeschirr auf Halsband umgeleint.
Die in der ersten Lehreinheit
erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten wurden
in den weiteren Sitzungen schrittweise wiederholt,
vertieft, ergänzt und ausgebaut. Als Stichworte
seien hier genannt:
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Perimeter
gehen: Der Hund geht vor der eigentlichen Suche
einen größeren Kreis, um die Gerüche
der Umgebung aufzunehmen und nachher besser vom
Suchgeruch differenzieren zu können.
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Four –
Corner – Technik: Verliert der Hund, z.B.
an einer Kreuzung, die Spur, geht man mit ihm ca.
15 m in jede abzweigende Straße hinein, um
ihm die Chance zu geben, die richtige Abzweigung
ausfindig zu machen
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Mit zunehmendem
Training werden die Aufgaben schwieriger: Das „Opfer“
muss gesucht werden, ohne dass der Hund gesehen
hat, in welche Richtung es gegangen ist; die Entfernung
wird erhöht, die Suchdauer verlängert
sich; falsche Personen werden eingebaut, d.h. diese
befinden sich im Suchbereich, sind aber nicht die
Zielpersonen, gleichzeitig lernt der Hund einen
Befehl, der ihm sagt, dass er weiter arbeiten soll,
bei uns der Befehl „Work“; mit zunehmendem
Training verlagert sich die Suche von Feld und Wald
in die Stadt.
Dies sind nur einige Beispiele
für die vermittelten Lehrinhalte. Am besten lernt
man das Mantrailing durch eigenes Arbeiten im Team
mit dem Hund.
Das Ergebnis:
In der ersten Lehreinheit war
Pommes noch etwas verwirrt. Er wusste zunächst
nicht, was von ihm verlangt wurde und warum er sich
anstrengen sollte. Trotzdem hatte er seine ersten
Erfolgserlebnisse, wenn auch nur über kurze Suchstrecken.
Nachdem er aber verstanden hatte, dass am Ende der
Spur bei erfolgreicher Suche Käse und Fleischwurst
lauern, war seine Begeisterung nachhaltig geweckt.
Jedes Mal, wenn die Leckerlies übergeben, spätestens
beim Umschnallen auf Suchgeschirr, stand er im Geschirr,
offensichtlich hoch motiviert und hoch konzentriert.
Im Verlauf des Trainings (das noch nicht beendet ist)
lernte er sogar, z.B. bei stärkerem Wind und
in hohem Gras mit hoher Nase zu suchen. Natürlich
ist er auch mal gescheitert, dann wurde eine Stufe
früher wieder angefangen, aber er verbessert
sich ständig.
Dadurch, dass ich bewusst keine
Hinweise auf Suchrichtung und Weg gab, auch wenn Pommes
sich zu mir umdrehte und offensichtlich auf Anweisungen
wartete, lernte Pommes immer stärker, eigenständig
auf seine Fähigkeiten zu vertrauen. Im Verlauf
des Trainings wurde auch der Abstand zum Hundeführer
durch Gebrauch der Suchleine und somit auch sein Aktionsbereich
und damit der Bereich eigener Entscheidungen zunehmend
vergrößert. Zunächst war Pommes dadurch
verunsichert, ging dann aber suchend und auf sich
gestellt weiter und wurde für diese Entscheidung
für Eigenverantwortung mit dem Erfolg in Form
von Leckerchen belohnt. Dies wiederum stärkte
sein Selbstvertrauen und führte beim nächsten
Mal zu einer noch stärkeren Motivation. Lediglich,
wenn er zu lange bei der „falschen“ Person
verharrte oder den Weg verloren hatte, gab ich anfänglich
die Anweisung „Work“ für Weiterarbeiten.
Diese Anweisung hatte er nach dem zweiten Mal verstanden
und suchte dann bis zum Erfolg konzentriert weiter,
so dass ich mir den Befehl heute weitest gehend verkneifen
kann.
Auch die Teambindung wurde
optimiert und die Angst vor Männern weiter reduziert.
Bei mir selbst stellte ich fest, dass ich unheimlich
stolz auf diesen „alten“ Hund war und
bin und entsprechend hat sich natürlich auch
meine körpersprachliche und verbale Kommunikation
mit Pommes verändert, nicht so sehr in der Qualität,
denn vorher wurde Pommes natürlich auch gelobt
und geherzt, aber auf jeden Fall in der Quantität.
Hunde merken das sofort und – wie heißt
es so schön – der gemeinsame Erfolg schweißt
zusammen. Gleichzeitig hat sich auch Pommes Verhalten
mir gegenüber (als dem männlichen Geschlecht
zugehörig) verändert und verbessert. Hierzu
zwei Beispiele:
-
Wenn unsere
Hunde gefüttert werden, genügt ein bestimmter
Pfiff und 4 Hunde verteilen sich auf 4 Zimmer und
erwarten dort ihre Fütterung. Nur einer, unser
Pommes, blieb zunächst im Flur stehen und rannte
dann, wenn man ihn in sein Futterzimmer locken wollte,
zunächst durch die Hundeklappe in den Garten,
legte sich dort in Demutshaltung auf den Rücken
und musste dann in sein Futterzimmer getragen werden,
wo er in Ruhe fraß. Nach dem Fressen flüchtete
er zunächst unter den Küchentisch, wo
er wiederum vorsichtig aufgehoben werden und vor
die Tür des Futterzimmers gesetzt werden musste,
wo wieder alles in Ordnung war. Dies hat sich verändert:
Pommes legt sich nach dem Pfiff jetzt ohne Flucht
im Flur auf den Bauch, streckt sich aus und lässt
sich ohne Probleme sanft aufheben und ins Futterzimmer
bringen. Nach dem Fressen flüchtet er nicht
unter den Tisch, sondern setzt sich an der Türschwelle
auf den Hintersten und lässt sich dann die
50 cm über die Schwelle tragen, bevor er losstürmt,
um die Näpfe der anderen Hunde auf vergessenes
Futter zu kontrollieren.
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Besonders
schön ist eine andere Veränderung: Pommes
kommt jetzt immer zu mir ins Bett und fordert intensive
Schmuse -, Kraul – und Massagebehandlungen
und zwar kurz nach dem Aufwachen und abends, wenn
ich mich auf das Sofa gelegt habe. Sicher, auch
vorher hat er das ab und an getan, wenn sowieso
Schmusen mit allen Hunden angesagt war und mindestens
einer schon „in Behandlung“ war, aber
nie so oft und regelmäßig, nie so intensiv
und vor allem, nie auf eigene Initiative unabhängig
vom Verhalten der anderen Rudelmitglieder. Da wir
erst in der fünften von zehn Ausbildungseinheiten
im Mantrailing sind, bin ich sehr zuversichtlich,
dass diese Fortschritte noch weiter gehen werden.
Fazit:
Pommes wird in der Suchleistung
nie so gut werden wie unsere Emma (die ein echtes
Talent hat und vorher auch schon Agility gemacht hat),
aber er macht gute, für seine Eingangsvoraussetzungen
hervorragende Fortschritte.
Zumindest unsere Hund –
Mann – Beziehung und unsere Teambindung ist
gestärkt und verbessert worden. Die Übertragung
auf das Verhältnis gegenüber Männern
insgesamt werde ich im Auge behalten und bleibt abzuwarten.
Die Ängstlichkeit und
das submissive Verhalten des Hundes hat abgenommen.
Pommes hat eine größere
Selbständigkeit und damit verbunden mehr Selbstbewusstsein
und Selbstvertrauen gewonnen.
Dies alle zusammen genommen
lässt für mich die Schlussfolgerung zu,
dass Mantrailing eine gute Methode ist, um Laborbeagle
sinnvoll zu beschäftigen und in bestimmten beschriebenen
Verhaltensbereichen eine erfolgreiche Verhaltensänderung
zu initiieren und zu bewerkstelligen. Daher würde
ich persönlich eine solche Grundausbildung auf
Basis meiner subjektiven Erfahrung auf jeden Fall
weiter empfehlen – vorausgesetzt, der Ausbilder
ist kompetent und bereit, auf die Besonderheiten von
Beaglen im allgemeinen und Laborbeaglen im Besonderen
einzugehen.
Zu den Grundlagen des Mantrailings
lesen Sie bitte hier
weiter.
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