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 Keilerweg 1
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Mantrailing und Teambindung

Der Anlass:

Um unseren Laborbeagle – Haltern eine Möglichkeit nahe zu bringen, ihren Beagle sinnvoll zu beschäftigen und auszulasten, haben wir uns Anfang 2008 entschieden, eine Mantrailing – Grundausbildung für Halter und Hund anzubieten.
Mantrailing bedeutet, der Hund lernt, der Fährte einer (vermissten) Person zu folgen und die Person zu finden. Je erfahrener der Hund, desto schwieriger kann die verfolgte Fährte sein. Intensiv ausgebildete und erfahrene Hunde folgen erfolgreich auch alten Spuren in schwierigem Gelände, z.B. Fußgängerzonen.
Das Training besteht aus 10 Lehreinheiten a 1 ½ - 2 Stunden mit sehr hohem Praxisanteil und wurde von Florence Tribon von der Canis – Hundetrainer – Schule bei Michael Grewe in Bad Bramstedt durchgeführt.

Meine Motivation:

Sofort, nachdem ich mich für die Teilnahme am Mantrailing - Workshop entschieden hatte, war mir klar, dass ich das Training am liebsten mit unserem Pommes (9 Jahre alt, davon 8 Jahre im Labor) machen wollte. Ob er wirklich erfolgreich mitarbeiten würde, war für mich zunächst zweitrangig. Natürlich würden wir beide unser Bestes geben, aber meine wichtigste Motivation war eine andere:

  • Wir haben öfter Interessenten für Laborbeagle, die meinen, ein älterer Beagle ist nicht mehr so lernfähig und nicht mehr „formbar“. Frei nach dem Motto: Was Hänschen nicht lernt, Hans nimmermehr ! Meine Erfahrungen mit Laborbeaglen sind ganz andere: Unser erster Laborbeagle Muffin war 9 Jahre im Labor und hat in seinen verbleibenden 3 ½ Jahren alles gelernt, was ein normaler Hund für das Leben in Freiheit können muss. Von daher halte ich diese „Weisheit“ für eine Legende. Dies wollte ich beweisen.

  • Über Pommes Vergangenheit wissen wir recht wenig. Eigentlich nur, woher er kommt (vergleiche „Der Killer – Beagle“ unter der Rubrik Geschichten). Pommes hatte von Beginn an Angst vor Männern. Dieser Zustand hat sich sehr gebessert, aber er reagiert immer noch tendenziell leicht submissiv oder sogar ängstlich, wenn Männer auf in zugehen oder ihn mit dunkler Stimme ansprechen. Und er nähert sich Männern sehr viel zögerlicher als Frauen. Man – Trailing erschien mir als eine gute Methode, um unser beider Beziehung und die Beziehung zu Männern insgesamt durch gemeinsame Teamarbeit zu vertiefen und zu verbessern. Aufgrund der rassespezifischen Merkmale des Beagle als Meutehund und Spürhund war ich sehr zuversichtlich, dass Pommes und ich erfolgreich zusammen arbeiten werden, und ich hatte Vertrauen in seine (noch verborgenen, weil nicht geförderten) Fähigkeiten.

  • Außerdem erhoffte ich mir, dass Pommes durch die Erfolgserlebnisse beim Suchen und Finden selbstbewusster wird und mehr Vertrauen in seine Fähigkeiten entwickelt.

Das Training:

Ich will an dieser Stelle nicht auf alle Einzelheiten des Trainings eingehen, sondern nur einen kurzen Einblick ins Mantrailing vermitteln. Das prinzipielle Vorgehen wurde bereits in der ersten Lehreinheit vermittelt und praktisch erprobt:

  • Dem Hund wird zusätzlich zum Halsband sein Suchgeschirr angelegt.
  • Ein Mensch – Hund – Team (Suchteam) und ein „Opfer“ (der Gesuchte) werden festgelegt.
  • Das „Opfer“ legt eine vorbereitete Tüte mit seinem Geruch (z.B. eine getragene Socke) zwischen Hund und „Opfer“ auf den Boden.
  • Eine kleine Tupperdose mit Leckerchen (Fleischwurst, Käse) wird deutlich sichtbar vom Hundeführer an das „Opfer“ übergeben.
  • Das „Opfer“ nimmt kurz Kontakt mit dem Hund auf und macht deutlich, wo die Leckerchen jetzt sind.
  • Das „Opfer“ geht langsam voraus und hockt sich in geringer Entfernung hinter einen Baum (die Entfernung variiert nach Eingangs – und Leistungsvoraussetzungen und mit zunehmender Trainingserfahrung des Hundes)
  • Der Hund wird von Halsband auf Geschirr umgeleint.
  • Der Hund wird an die Tüte mit dem Geruch herangeführt und hört sein spezielles Suchkommando, in unserem Fall „Trail !“
  • Der Hund nimmt Witterung auf; der Hundeführer unterlässt jede Form der verbalen oder körpersprachlichen Unterstützung, denn der Hund soll lernen, selbständig die Suche zu beginnen und sich dabei auf seine Fähigkeiten zu verlassen und eigene Entscheidungen zu treffen.
  • Der Hund bestimmt das Tempo und den Weg der Suche; Ziehen im Geschirr ist erlaubt und hebt sogar die Motivation (im weiteren Verlauf des Trainings wird das Tempo dann reduziert, um die Kondition des Hundeführers zu schonen).
  • Sobald der Hund das „Opfer“ gefunden hat, bekommt er die Leckerchen und wird riesig mit Worten und Streicheleinheiten gelobt. Der Erfolg wird gekoppelt und verstärkt mit dem Lob „Fine trail !“
  • Der Hund wird von Suchgeschirr auf Halsband umgeleint.

Die in der ersten Lehreinheit erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten wurden in den weiteren Sitzungen schrittweise wiederholt, vertieft, ergänzt und ausgebaut. Als Stichworte seien hier genannt:

  • Perimeter gehen: Der Hund geht vor der eigentlichen Suche einen größeren Kreis, um die Gerüche der Umgebung aufzunehmen und nachher besser vom Suchgeruch differenzieren zu können.
  • Four – Corner – Technik: Verliert der Hund, z.B. an einer Kreuzung, die Spur, geht man mit ihm ca. 15 m in jede abzweigende Straße hinein, um ihm die Chance zu geben, die richtige Abzweigung ausfindig zu machen
  • Mit zunehmendem Training werden die Aufgaben schwieriger: Das „Opfer“ muss gesucht werden, ohne dass der Hund gesehen hat, in welche Richtung es gegangen ist; die Entfernung wird erhöht, die Suchdauer verlängert sich; falsche Personen werden eingebaut, d.h. diese befinden sich im Suchbereich, sind aber nicht die Zielpersonen, gleichzeitig lernt der Hund einen Befehl, der ihm sagt, dass er weiter arbeiten soll, bei uns der Befehl „Work“; mit zunehmendem Training verlagert sich die Suche von Feld und Wald in die Stadt.

Dies sind nur einige Beispiele für die vermittelten Lehrinhalte. Am besten lernt man das Mantrailing durch eigenes Arbeiten im Team mit dem Hund.

Das Ergebnis:

In der ersten Lehreinheit war Pommes noch etwas verwirrt. Er wusste zunächst nicht, was von ihm verlangt wurde und warum er sich anstrengen sollte. Trotzdem hatte er seine ersten Erfolgserlebnisse, wenn auch nur über kurze Suchstrecken. Nachdem er aber verstanden hatte, dass am Ende der Spur bei erfolgreicher Suche Käse und Fleischwurst lauern, war seine Begeisterung nachhaltig geweckt. Jedes Mal, wenn die Leckerlies übergeben, spätestens beim Umschnallen auf Suchgeschirr, stand er im Geschirr, offensichtlich hoch motiviert und hoch konzentriert. Im Verlauf des Trainings (das noch nicht beendet ist) lernte er sogar, z.B. bei stärkerem Wind und in hohem Gras mit hoher Nase zu suchen. Natürlich ist er auch mal gescheitert, dann wurde eine Stufe früher wieder angefangen, aber er verbessert sich ständig.

Dadurch, dass ich bewusst keine Hinweise auf Suchrichtung und Weg gab, auch wenn Pommes sich zu mir umdrehte und offensichtlich auf Anweisungen wartete, lernte Pommes immer stärker, eigenständig auf seine Fähigkeiten zu vertrauen. Im Verlauf des Trainings wurde auch der Abstand zum Hundeführer durch Gebrauch der Suchleine und somit auch sein Aktionsbereich und damit der Bereich eigener Entscheidungen zunehmend vergrößert. Zunächst war Pommes dadurch verunsichert, ging dann aber suchend und auf sich gestellt weiter und wurde für diese Entscheidung für Eigenverantwortung mit dem Erfolg in Form von Leckerchen belohnt. Dies wiederum stärkte sein Selbstvertrauen und führte beim nächsten Mal zu einer noch stärkeren Motivation. Lediglich, wenn er zu lange bei der „falschen“ Person verharrte oder den Weg verloren hatte, gab ich anfänglich die Anweisung „Work“ für Weiterarbeiten. Diese Anweisung hatte er nach dem zweiten Mal verstanden und suchte dann bis zum Erfolg konzentriert weiter, so dass ich mir den Befehl heute weitest gehend verkneifen kann.

Auch die Teambindung wurde optimiert und die Angst vor Männern weiter reduziert. Bei mir selbst stellte ich fest, dass ich unheimlich stolz auf diesen „alten“ Hund war und bin und entsprechend hat sich natürlich auch meine körpersprachliche und verbale Kommunikation mit Pommes verändert, nicht so sehr in der Qualität, denn vorher wurde Pommes natürlich auch gelobt und geherzt, aber auf jeden Fall in der Quantität. Hunde merken das sofort und – wie heißt es so schön – der gemeinsame Erfolg schweißt zusammen. Gleichzeitig hat sich auch Pommes Verhalten mir gegenüber (als dem männlichen Geschlecht zugehörig) verändert und verbessert. Hierzu zwei Beispiele:

  • Wenn unsere Hunde gefüttert werden, genügt ein bestimmter Pfiff und 4 Hunde verteilen sich auf 4 Zimmer und erwarten dort ihre Fütterung. Nur einer, unser Pommes, blieb zunächst im Flur stehen und rannte dann, wenn man ihn in sein Futterzimmer locken wollte, zunächst durch die Hundeklappe in den Garten, legte sich dort in Demutshaltung auf den Rücken und musste dann in sein Futterzimmer getragen werden, wo er in Ruhe fraß. Nach dem Fressen flüchtete er zunächst unter den Küchentisch, wo er wiederum vorsichtig aufgehoben werden und vor die Tür des Futterzimmers gesetzt werden musste, wo wieder alles in Ordnung war. Dies hat sich verändert: Pommes legt sich nach dem Pfiff jetzt ohne Flucht im Flur auf den Bauch, streckt sich aus und lässt sich ohne Probleme sanft aufheben und ins Futterzimmer bringen. Nach dem Fressen flüchtet er nicht unter den Tisch, sondern setzt sich an der Türschwelle auf den Hintersten und lässt sich dann die 50 cm über die Schwelle tragen, bevor er losstürmt, um die Näpfe der anderen Hunde auf vergessenes Futter zu kontrollieren.

  • Besonders schön ist eine andere Veränderung: Pommes kommt jetzt immer zu mir ins Bett und fordert intensive Schmuse -, Kraul – und Massagebehandlungen und zwar kurz nach dem Aufwachen und abends, wenn ich mich auf das Sofa gelegt habe. Sicher, auch vorher hat er das ab und an getan, wenn sowieso Schmusen mit allen Hunden angesagt war und mindestens einer schon „in Behandlung“ war, aber nie so oft und regelmäßig, nie so intensiv und vor allem, nie auf eigene Initiative unabhängig vom Verhalten der anderen Rudelmitglieder. Da wir erst in der fünften von zehn Ausbildungseinheiten im Mantrailing sind, bin ich sehr zuversichtlich, dass diese Fortschritte noch weiter gehen werden.

Fazit:

Pommes wird in der Suchleistung nie so gut werden wie unsere Emma (die ein echtes Talent hat und vorher auch schon Agility gemacht hat), aber er macht gute, für seine Eingangsvoraussetzungen hervorragende Fortschritte.

Zumindest unsere Hund – Mann – Beziehung und unsere Teambindung ist gestärkt und verbessert worden. Die Übertragung auf das Verhältnis gegenüber Männern insgesamt werde ich im Auge behalten und bleibt abzuwarten.

Die Ängstlichkeit und das submissive Verhalten des Hundes hat abgenommen.

Pommes hat eine größere Selbständigkeit und damit verbunden mehr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen gewonnen.

Dies alle zusammen genommen lässt für mich die Schlussfolgerung zu, dass Mantrailing eine gute Methode ist, um Laborbeagle sinnvoll zu beschäftigen und in bestimmten beschriebenen Verhaltensbereichen eine erfolgreiche Verhaltensänderung zu initiieren und zu bewerkstelligen. Daher würde ich persönlich eine solche Grundausbildung auf Basis meiner subjektiven Erfahrung auf jeden Fall weiter empfehlen – vorausgesetzt, der Ausbilder ist kompetent und bereit, auf die Besonderheiten von Beaglen im allgemeinen und Laborbeaglen im Besonderen einzugehen.

Zu den Grundlagen des Mantrailings lesen Sie bitte hier weiter.

 
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