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The long way home - Vermittlung mit Hindernissen

von Rebecca Schütt

Hanna direkt nach ihrer Entlassung aus dem Labor

Laborbeagle, die direkt vom Labor in die neuen Familien umziehen, sind wie Über-raschungseier: man weiß nicht, was drin-steckt.
Obwohl die Familien im Vorfeld gründlich über alle Eventualitäten informiert werden, kommt es vor, dass Erwartung und Realität so weit voneinander abweichen, dass der Hund nicht bleiben kann.
Zu wissen, dass ein Laborhund viele Dinge noch nicht kann und dann zu erfahren, was das für den Alltag bedeutet, ist zweierlei.

Im konkreten Fall, über den ich hier schrei-ben möchte, geht es um ein 3½ Monate altes Beagle-Mädchen.
Als wir Hanna aus dem Labor übernahmen, erlebten wir sie als ein aufgewecktes, neugieriges und recht energisches Beaglekind, das ohne Scheu auf Menschen zuging und Beute (in diesem Fall eine Kaustange) vehement verteidigte. Mit diesen Eindrücken ließen wir Hanna ziehen…..

Es dauerte genau drei Tage, bis nichts mehr ging. Die Katze der Familie hatte Angst und kam nicht mehr aus ihrem Versteck und auch Hanna verhielt sich nicht, wie man es von ihr erwartet hatte. Die Nerven lagen blank, und so war es nur menschlich, die Ursache der Schwierigkeiten im Verhalten des Hundes zu suchen – und zu finden. Hanna wurde als „jähzornig und bissig“ beschrieben und man bat uns darum, sie wieder abzuholen.
Da wir den Eindruck hatten, mit konkreten Tipps an dieser Stelle nicht mehr weiter zu kommen, holten wir Hanna umgehend zu uns, um uns vor einer weiteren Vermittlung ein Bild über ihr Verhalten machen zu können.

Silka und Hanna auf der Terrasse

Hier wurde Hanna von unserer eigenen Hündin (Laborbeagle, 5), freundlich begrüßt und die beiden begannen sofort sich gegenseitig durch Wohnung und Garten zu jagen. Natürlich ist Hanna anstrengend – sie ist ein Welpe! Sie weiß noch nicht, dass sie nicht auf dem Tisch stehen soll und dass wir es nicht besonders schätzen, wenn sie die Wohnung umdekoriert oder ihren Wasser-napf auf dem Teppich auskippt. Sie weiß nicht, was ein „NEIN“ bedeutet und natürlich ist sie nicht stubenrein. Wie alle Welpen ist sie, wenn sie wach ist seeeeeeeeehr aktiv, um dann von einer Sekunde zur anderen in Tiefschlaf zu fallen. Ihre Schlaf- und Wachperioden richten sich nicht nach unseren Tagesabläufen.
Wie Kinder benötigen Welpen eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung und ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit. Das kostet Zeit und Nerven. Spielerische Erziehung beginnt unmittelbar nach dem Einzug. Erwünschtes Verhalten wir durch Lob und Leckerli bestärkt, unerwünschtes ignoriert. Die Ursache unerwünschten Verhaltens ist natürlich nicht Boshaftigkeit, sondern schlicht Nicht-Wissen oder Unsicherheit. Dass Welpen in ihrer Motorik noch sehr grob sind und auch Beißkraft nicht richtig dosieren können, ist hinlänglich bekannt. Wenn sie beginnen, auf unseren Händen herumzukauen, sollten wir ihnen signalisieren, dass das wehtut und das Spiel sofort abbrechen. Der Hund wird das Prinzip sehr schnell verstehen lernen.

Silka und Hanna im Körbchen

Hier verhält sich Hanna völlig normal. An der Leine läuft sie erstaunlich gut, auf dem Weg zur Stubenreinheit sind wir einen großen Schritt weitergekommen, nachts schläft sie mit Silka in einem Körbchen und bleibt bis zum nächsten Morgen „dicht“. Sie freut sich über Umgang mit Artgenossen und begegnet Menschen (Kindern ebenso wie Erwachsenen) unerschrocken und neugierig, aber keinesfalls aggressiv.

Für Hanna haben wir bereits eine neue Familie gefunden.

Gerne hätten wir ihr diesen Umweg erspart und natürlich überlegen wir, wie wir für die Zukunft sicherstellen können, dass die Familien wirklich wissen, wofür sie sich entscheiden, geschlossen dazu stehen, bei auftretenden Schwierigkeiten die notwendige Geduld aufbringen und die eigenen Möglichkeiten und Grenzen realistisch einschätzen.

Daher an dieser Stelle noch einmal ein Appell an Interessenten:
Überlegen Sie sich gut, worauf sie sich einlassen – Sie übernehmen eine große Verantwortung. Die Hunde sind Individuen, die in ihrer Persönlichkeitsstruktur respektiert werden möchten und selbst bei einer liebevollen und konsequenten Erziehung am Ende nicht zu 100% der idealtypischen Rassebeschreibung entsprechen müssen.
Nur, wenn Sie bereit sind, sich auf dieses spezielle Wesen einzulassen, haben Sie die besten Voraussetzungen dafür, ein gutes Team zu werden.

Gerne geben wir Ihnen Tipps, wenn Probleme auftauchen. Die Zeit, ein vertrauensvolles Verhältnis zum Hund aufzubauen und die Arbeit, ihn zu erziehen, müssen Sie investieren.

 
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