Jung oder älter?
von Kristin Wilke
Oft stelle ich die Frage an
unsere Interessenten welches Alter der Hund denn haben
darf und bin erstaunt über die Antwort. Gern
hätten sie einen Welpen, aber warum?
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| William und Douglas
- ein ungleiches Paar |
Ich kann mittlerweile beide
Seiten beurteilen, da ich einen fast 9-jährigen
Beagle und einen Welpen habe. Als wir uns damals entschlossen,
einen Laborbeagle bei uns aufzunehmen, stand fest,
wir wollten einen älteren Hund. Die Beweggründe
für diese Entscheidung waren vielfältig.
Erstens wollten wir einem Hund helfen, der vielleicht
nicht so leicht ein neues Zuhause findet. Zweitens
hatten wir keinerlei Hundeerfahrung und dachten uns,
dass wir uns einen größeren Gefallen tun,
wenn wir einen nicht mehr so „Wilden“
aufnehmen. Irgendwann war es dann soweit und Douglas
sollte einziehen. Er war ein 8-jähriger Rüde
und eines kann ich vorweg schon sagen: wir würden
ihn immer wieder nehmen, trotz aller Probleme die
wir am Anfang hatten.
Als Douglas kam, war er sehr
schüchtern bzw. ängstlich. Er wollte sich
nicht wirklich anfassen lassen, war nicht stubenrein,
wollte nicht spielen usw. Aber wenigstens eines wollte
er: Fressen. Das war auch für uns das wichtigste,
dass er wenigstens erstmal trinkt und frisst. Die
ersten zwei Tage kam er kaum zur Ruhe und sah auch
nicht wirklich glücklich aus, aber was will man
auch erwarten!? Ganze 8 Jahre saß er in einem
Labor und es interessierte keinen, ob er stubenrein
ist oder spielen möchte. Außerdem muß
man bedenken, dass er von heute auf morgen sein Zuhause
verloren hatte, egal wie es ihm da ging. Er musste
sich von heute auf morgen umstellen – neue Umgebung,
neue Menschen und neue Lebensbedingen.
Man muß sich mal vorstellen,
wie es ist, wenn man umzieht und sich neu eingewöhnen
muß – auch nicht wirklich einfach. Wir
wussten, das braucht Zeit, Geduld und ganz viel Liebe
und das wollten wir Douglas geben. Die Tatsache, dass
wir mitten in der Stadt im dritten Stock wohnen, machte
es natürlich nicht einfacher. Wir trugen Douglas
5 – 6 Mal am Tag nach unten über die Straße,
bis wir eine Wiese erreicht hatten. Dort angekommen
war aber an spazieren gehen nicht zu denken! Douglas
stand und wollte sich nicht bewegen. Aber egal, dann
stehen wir halt spazieren, gehen können wir auch
später mal. Es kam vor, dass wir 20 Minuten an
einem Fleck verbrachten, doch so konnte Douglas sich
langsam an die neue Umgebung gewöhnen. Wir verstreuten
Leckerli auf der Wiese und so lernte Douglas, dass
die Wiese ja gar nicht so schlecht ist.
Doch das war nicht das einzige
Problem. Leider fand Douglas auch andere Hunde nicht
so toll und so mussten wir uns mit verschiedensten
Hundebesitzern auseinandersetzten, wobei wir die ganze
Bandbreite kennenlernten. Von verständnisvoll
bis total ignorant. Die Ignoranten machten uns natürlich
das Leben schwer. Aber gut, auf solche Menschen trifft
man immer!!! Da wir mit „diesen Leuten aus dem
Weg gehen“ nicht weiter kamen, mussten wir uns
etwas anderes überlegen. Wir kümmerten uns
um eine gute Hundeschule und die half uns unwahrscheinlich
weiter. Wir lernten die Signale unseres Hundes zu
verstehen und konnten so viel besser auf ihn eingehen.
Wir lernten, in Situationen zu splitten, Douglas zu
zeigen, dass er uns vertrauen kann und mit Stresssituationen
von Douglas umzugehen, ohne ihn in seiner Angst zu
bestärken.
Sicher kostet das viel Zeit,
aber wir können jedem sagen: es lohnt sich. Nachmittags
fuhren wir mit Douglas in den Wald, damit er Spaß
hat am Rausgehen und so Vertrauen zu uns aufbaut.
Je mehr Vertrauen er zu uns hat, um so bereitwilliger
wird er auch in der Stadt mit uns laufen und genauso
war es. Irgendwann lief er auch in der Stadt mit uns
und verlor immer mehr seine Angst. Nach zwei Wochen
erlitt er einen Kreuzbandriß – wieder
eine ganz neue Situation für uns und Douglas.
Aber auch die meisterten wir mit Hilfe der Laborbeaglehilfe
und der Hundeschule.
Zu Hause lebte er sich immer
besser ein und wurde zu einem absoluten Schatz. Vielleicht
macht er noch kein Platz oder gehorcht nicht auf’s
Wort, aber deswegen ist er ja nicht unglücklich.
Das sind auch nicht unsere Ansprüche. Wir freuen
uns über jeden Fortschritt, den er macht und
richten halt unser Leben danach ein wenig ein. Douglas
ist wie er ist und so wie er ist, ist er super süß!!!.
Er ist zu Hause super kuschelig und blüht immer
noch auf. Er freut sich, wenn wir nach Hause kommen,
schnarcht genüsslich nachts bei uns im Bett und
freut sich, wenn wir mit ihm in den Wald fahren. Er
ist einfach eine Seele von Hund und man kann ihn einfach
nur lieb haben. Außerdem hat er es verdient,
dass man ihm die Zeit gibt, die er braucht. Es ist
egal, ob sie vier Wochen nicht stubenrein sind, denn
es gibt nichts, was man nicht wegwischen kann. Viel
wichtiger ist doch die Zuneigung, die sie einem entgegenbringen.
Einfach das Erlebnis, wenn sie das erste Mal schwanzwedelnd
entgegenkommen oder andere Sachen zum ersten Mal machen.
Vielleicht brauchen ältere
Hunde etwas mehr Zeit und Geduld, aber das bekommt
man hinterher 1000-fach zurück. Nachdem wir Douglas
7 Monate hatten, entschlossen wir uns bei der Laborbeaglehilfe
mitzuhelfen, außerdem befassten wir uns mit
dem Gedanken, Pflegestelle zu werden oder noch einen
zweiten Beagle aufzunehmen. Einem in Douglas` Alter,
dachten wir wäre prima.
Aber dann kam alles anders.
Als es mal wieder hieß, ein Transport steht
an, kam auch ein nicht ganz gesunder Welpe von 10
Wochen mit raus. Wir erklärten uns bereit, ihn
erstmal zu uns zu nehmen und abzuklären, was
mit ihm gesundheitlich wirklich los war. Wenn er gesund
ist, sollte er dann vermittelt werden. So war jedenfalls
der Plan.
Kaum war William da, wussten
wir dass wir ihn nicht mehr gehen lassen können.
Er ist auch ein süßer kleiner Spatz, aber
aus heutiger Sicht wissen wir, warum wir keinen Welpen
wollten. Sie sind sicher super putzig, aber sie brauchen
24 Stunden Aufmerksamkeit. Welpen sind wild, wollen
die ganze Zeit beschäftigt werden und machen
sicher viel mehr Unsinn als ein älterer Hund.
So süß wie der William auch ist und sicher
haben wir viel Spaß; aber manchmal schafft er
einen wirklich. Wir sind froh, dass wir die Erfahrung
mal machen dürfen, sind uns aber sicher, dass
wir nicht unbedingt noch mal einen Welpen nehmen würden.
Wir haben einfach unseren ruhigen, genügsamen
und absolut liebenswürdigen Douglas zu schätzen
gerlernt. Vielleicht lernt ein Welpe schneller und
ist allem gegenüber etwas aufgeschlossener, dafür
ist so ein älterer Hund oft so dankbar und anhänglicher.
Außerdem sollte man überlegen,
warum man sich für einen Laborbeagle entscheidet.
Ich finde, wenn man sich wirklich dafür entscheidet,
sollte man auch einem älteren Hund eine Chance
geben, denn einen Welpen ohne jegliche „Labormacke“
kann man auch vom Züchter haben. Unserer Meinung
nach sollte man, wenn man wirklich einem Tier helfen
möchte, auch denen eine Chance geben, die schon
älter sind. Sie haben einfach eine zweite Chance
verdient und man darf uns glauben, man bekommt es
von ihnen mehr als genug gedankt.