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aus unserem Vermittlungsalltag
von Iris Alberts
Über Sinn
und Unsinn von Kooperation
Tierfreunde
vertreten im Allgemeinen die Auffassung, dass
Organisationen, die sich dem Wohl der Tiere verpflichtet
fühlen, zusammenarbeiten sollten, wann immer
es zum Besten der Tiere möglich oder sinnvoll
ist.
Eine berechtigte Forderung,
die aber nicht darüber hinwegtäuschen
sollte, dass für jede Form der Zusammenarbeit
ein gewisses Vertrauen unabdingbare Voraussetzung
ist, und dass man ähnliche Ziele verfolgen
UND Methoden bevorzugen sollte wie der jeweilige
Kooperationspartner.
Da unser Arbeitsbereich
recht speziell ist, gab es bisher wenig Anlass
für Kooperationen mit anderen Vereinen. Das
änderte sich, als die Laborbeagle in Ungarn
auftauchten. Die Pfotenhilfe Ungarn bat um Unterstützung.
Zunächst haben wir einige Beagle von der
Pfotenhilfe übernommen. Sie reisten in einem
Pfotenhilfe-Transport nach Deutschland und wir
holten sie ab.
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| Beim
Ausladen der Futterspenden |
Wegen der großen
Anzahl der Beagle boten wir an, einen zusätzlichen
Transport zu fahren. Wenn wir schon die weite
Fahrt in Kauf nehmen, sollte es sich zumindest
lohnen und deshalb erklärten wir uns bereit,
auch noch Hunde für die Pfotenhilfe und den
süddeutschen Laborbeagle-verein (Interessengemeinschaft
Tiere in Not e.V.) zu transportieren. Die Interessengemeinschaft
hatte bereits 12 junge Hunde reserviert, wir wollten
die übrig gebliebenen übernehmen, darunter
zwei ältere Zuchthündinnen.
Bereits vor der Abreise
schrieben wir die "Kollegen" an und
baten sie, uns mitzuteilen, in welcher Höhe
sie sich an den nicht unerheblichen Transportkosten
(es waren ca. 1.300 EUR) beteiligen wollten. Die
Geschäftsstelle versprach, das mit dem Vorstand
zu klären und hüllte sich fortan in
Schweigen. Unmittelbar vor Übergabe der Hunde
wurde dann zwischen Frau Hertkorn (Geschäftsstelle
Interessengemeinschaft) und Gisela Wertich (Vorsitzende
Laborbeaglehilfe) vereinbart, dass die Interessengemeinschaft
sich proportional zur Anzahl ihrer Hunde an den
Kosten beteiligen würde, hierfür aber
Belege benötige.
Die Übergabe der Hunde
an die "Kollegen" gehörte zu den
weniger erfreulichen Begebenheiten der Ungarnreise,
empfanden sie es doch als ziemliche Zumutung,
die Hunde abends übernehmen zu müssen.
Und dann hatten wir auch noch 90 Minuten Verspätung,
die wir allerdings rechtzeitig angekündigt
hatten. Frau Hertkorn hatte bereits vorher am
Telefon gegenüber Frau Wertich auf die katastrophale
Organisation des Transports hingewiesen und ihr
erklärt, wie man das alles besser machen
kann. (Frau Hertkorn kennt die Gegebenheiten in
Ungarn vor Ort selbstverständlich nicht.)
Da war es nun auch nicht weiter verwunderlich,
dass die "Kollegen" - genervt und in
Eile, ohne jedes Interesse an der Fahrt oder den
Zuständen in Ungarn, die Hunde in die mitgebrachten
Boxen verfrachteten. Übrigens auch die Rüden,
die in Ungarn extrem ängstlich waren und
um sich schnappten, weshalb uns die Ungarn dringend
darum gebeten hatten, sie in den Boxen zu belassen
und stattdessen Boxen zu tauschen.
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| Rückfahrt |
Wir waren zu diesem Zeitpunkt
bereits seit 14 Stunden unterwegs, und unsere
Neigung zu diskutieren tendierte gegen Null. Einigermaßen
ratlos verließen wir den Ort der Übergabe
und setzten unseren Weg fort.
Inzwischen haben wir der
Interessen-gemeinschaft eine detaillierte Kosten-aufstellung
zukommen lassen und alle Belege in Kopie beigefügt.
Der errechnete Anteil für die Interessengemeinschaft
beträgt 478,08 EUR.
Nachdem wir über einen
Zeitraum von vier Wochen keinen Zahlungseigang
feststellen konnten, erinnerten wir freundlich.
Die Reaktion erfolgte dann
aber nicht an uns, sondern an die Pfotenhilfe,
in Form einer E-Mail. Die Forderung wird zurückgewiesen
mit Hinweis darauf, dass die Hunde schließlich
bei der Pfotenhilfe bezahlt wurden. Dass die Pfotenhilfe
Tiere, die auf ihre Kosten geimpft und kastriert
werden, nicht verschenken kann, muss nicht weiter
erläutert werden. Dass damit aber nicht UNSERE
Transportkosten abgedeckt werden, ebenso wenig.
Dass die Übernahme
von Hunden aus Ungarn, die schon dort Kosten verursacht
haben und dann über weite
Strecken transportiert werden müssen, am
Ende keine lukrative Angelegenheit sein konnte,
sollte jedem, der damit zu tun hatte, bereits
im Vorfeld klargewesen sein. Da wir aber ja keine
Hundehändler sind, die die Tiere zu günstigen
Konditionen erwerben und anschließend mit
Gewinn weitergeben, sollte das keine Rolle spielen.
Es ging um Laborbeagle in Not, die in Ungarn nur
notdürftig versorgt werden konnten und schnelle
Hilfe brauchten.
Wir haben
Spenden gesammelt und mit Ihrer Unterstützung
fast 2 Tonnen Futter und jede Menge Zubehör
für die Hunde in Ungarn zusammen bekommen.
Wir haben
uns 3 Tage Urlaub genommen und sind 2700 km durch
Europa gefahren, um die Hunde in Sicherheit zu
bringen.
Wir haben
den Transporter gemietet und bezahlt.
Wir haben das gerne gemacht.
Es war anstrengend, aber es waren auch Eindrücke,
die den oft geforderten Blick über den Tellerrand
ermöglicht haben und uns gezeigt haben, dass
es überall Tierelend gibt und Menschen gefordert
sind, die Dinge zum Besseren zu wenden.
Alles, was wir erwartet
hatten, war eine Beteiligung an den Kosten im
angemessenen Rahmen. Ja, und ein ganz klein bisschen
Interesse von den "Kollegen" an den
Zuständen in Ungarn hätten wir auch
gern erfahren.
Was wir erlebt haben, sind
"Kollegen", die die bestellten und bezahlten
Hunde bitteschön pünktlich angeliefert
bekommen wollen, die uns Belehrungen zu unserer
"Katastrophen-Organisation" nicht ersparen
können oder wollen und die sich am Ende nicht
an ihre Vereinbarungen erinnern können.
Es wird niemanden wundern,
dass diese Kooperation nicht nach Fortsetzung
schreit. Das heißt nicht, dass wir nicht
mehr mit anderen Organisationen kooperieren möchten.
Wir werden uns in Zukunft aber im Vorfeld sehr
genau ansehen, mit wem wir zu tun haben und alle
Vereinbarungen in schriftlicher Form machen.
Wir alle lernen - lebenslänglich.
UPDATE 21.09.2009
Die Interessengemeinschaft
Tiere in Not e.V. hat sich heute telefonisch bereiterklärt,
sich proportional zum Anteil der von ihnen übernommenen
Hunde an den Kosten des Transports zu beteiligen.
Damit ist für
uns der formale Teil geklärt.